GEDENKSTEIN FÜR ORT DES ERINNERNS
Soldatenfriedhof Braunau–Haselbach
Friedensprojekt, Kunst im öffentlichen Raum, Erinnerungskultur, Weltgeschichte, Digitalisierung
Das geplante Projekt „Gedenkstein für Ort des Erinnerns“ beabsichtigt die Errichtung eines neuen Denkmals am Soldatenfriedhof Braunau-Haselbach. Die Initiative wurde im Jahr 2015 vom Kunsthistoriker, Musiker u Braunauer Gemeinderat Zoran Šijaković ins Leben gerufen, mit dem Wunsch, eine Friedensbotschaft aus dem Bezirk Braunau am Inn in die restliche Welt zu entsenden.
Der Soldatenfriedhof, dessen Gesamtfläche ca. 12.000 m² umfasst, ist das einzige sichtbare Monument, das an seine verstorbenen Insassen erinnert. So ist heute der Friedhof die Stätte des Gedenkens, die zum Nachdenken einlädt. Nach Angaben des Historikers Florian Kotanko wurde 1915 für die Todesopfer des Internierungslagers Braunau–Haselbach ein eigener Friedhof errichtet, in dem bis 1918 in etwa 1.500 Russen, Italiener, Österreicher, Serben, Ungarn sowie Unbekannte aus dem 1. Weltkrieg bestattet wurden. Zu den Toten aus dem Ersten Weltkrieg kommen 56 Opfer des Zweiten Weltkrieges – Frauen und Männer aus der Sowjetunion – welche in den Jahren 1941 bis 1945 als Zwangsarbeiter starben.
Das Projekt sollte zur Attraktivierung des Themas beitragen, durch Realisierung folgender grundsätzlicher Ziele:
Vielmehr werden mit dem Projekt weitere Themenbereiche und Funktionen umgesetzt, wie die Pflege der Erinnerungskultur und die Geschichtspflege in Bezug auf das 110-jährige Jubiläum des Internierungslagers Braunau-Haselbach. Die Enthüllung des Gedenksteins und die 110-Jahre-Jubiläums-Gedenkveranstaltung sind für Sommer/Herbst 2026 geplant.
Der Gedenkstein wird in Form einer mittelgroßen Säule mit Relief (H150 x B70 x T50 cm) gestaltet, künstlerisch ausgeführt von Braunauer Steinmetz Jeremia Bruckbauer - www.steinmetzmeisterbruckbauer.at, gezeichnet vom Grafiker und Zeichner Hermann Ortner - www.galerie-k3.at/hermann-ortner. Bei der Auswahl des Materials, der Gestaltung und der Bearbeitung des Objekts wird Rücksicht auf die bestehenden, umliegenden Denkmäler genommen. Die geplante Säule wird sich optisch in die bereits gegebene Konfiguration bestens eingliedern.
Zeichnung: Hermann Ortner - www.galerie-k3.at/hermann-ortner
Ein Spruch mit der Friedensbotschaft, verfasst und übersetzt vom Obmann des Kulturvereins DANICA GR Zoran Šijaković, wird die rechte Seite des Gedenksteins verzieren. Die obere Hälfte wird auf Kyrillisch dargestellt, die untere auf Deutsch.
ПОКАЖИТЕ У ИМЕ МИРА СВОЈА КРАСНА ЛИЦА. ВЕЧНАЈА ПАМЈАТ!
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ZEIGT IM NAMEN DES FRIEDENS EURE LIEBENSWERTEN GESICHTER. IN EWIGER ERINNERUNG!
Kunststeinmetz Jeremia Bruckbauer
„Österreichs beste Nachwuchskraft am Stein ist Jeremia Bruckbauer“, berichtete eine Wochenzeitung über den jungen Kunststeinmetz aus Braunau, der bei der Berufseuropameisterschaft EuroSkills 2014 in Frankreich Silber erkämpfte.
Mittlerweile ist Bruckbauer Juniorchef im Steinmetzmeisterbetrieb seines Vaters - www.steinmetzmeisterbruckbauer.at, ein Steinbildhauer, der sein Handwerk beherrscht und täglich die Natursteine in einzigartige Kunststücke verarbeitet.
„Kunst und Design haben einen großen Einfluss auf meinen Beruf. Die Fähigkeit, aus Stein ein Kunstwerk zu formen, erfordert gewisse Kreativität und ein Gespür für Design. In den meisten Fällen liegt die Verarbeitung von Stein in der Hand eines Steinmetzes, der die Steine auf einzigartige Weise zu einem Kunstwerk formt.“ - So Jeremia Bruckbauer.
Bruckbauer arbeitet meist mit Modellen und Skizzen und bringt den Naturstein mit einem guten Augenmaß in die gewünschte Form. Wie er sagt, verkörpern seine Werke gleichzeitig die traditionelle und moderne Handwerkskunst.
Die Geschichte
Kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges standen die Verantwortlichen in den kriegführenden Ländern vor dem Problem, wie mit der unerwartet großen Zahl der Kriegsgefangenen umzugehen sei. Anfänglich wurde versucht, sie in militärischen Unterkünften unterzubringen, bald jedoch entschloss man sich, eine Reihe von großen Internierungslagern einzurichten. So wurde auch im oberösterreichischen Braunau das k.u.k. Kriegsgefangenenlager gebaut, in dem Kriegsgefangene aus Russland, Serbien und Italien untergebracht waren. Daneben bestand auch das k.u.k. Flüchtlingslager Braunau am Inn.
Die aus militärischer Sicht günstige Lage – also das gut zu überwachende Gelände, die Mattig zur Wasserver- und -entsorgung und die Verkehrsanbindung – sprachen für den Standort Aching in der Gemeinde St. Peter am Hart. Anfangs für 15.000 Kriegsgefangene ausgelegt, wurde das Lager in den Folgejahren für bis zu 50.000 Mann erweitert. Die Zahl der Gefangenen betrug im Oktober 1915 schon etwa 20.000 Mann. Die Höchstzahl wurde im August 1917 mit etwa 24.000 Mann erreicht.
Bildquelle: https://rotespuren.at/das-kriegsgefangenenlager-braunau-st-peter-am-hart/
Anfangs waren die Gefangenen weit überwiegend Angehörige der russischen Armee aus allen Gebieten des Zarenreiches. Seit Mai 1915 wurden vor allem italienische Soldaten ins Lager gebracht.
Einige der Insassen des Lagers führten ein Tagebuch oder schrieben die Erinnerung an die Zeit in Gefangenschaft in ihren Memoiren nieder. So auch ein serbischer Gefangener, Professor S. Maksić, über die Zustände im Lager Aschach an der Donau im Winter 1917: „Im Januar wurde es sehr kalt, 20 bis 30 Grad unter null. Im Lager mangelte es an Essen und Heizung, so dass der Zustand verzweifelt war. Immer mehr Menschen starben an Hunger und Kälte.“[1]
Mehr als 1400 Kriegsgefangene, dazu einige Angehörige des Wachpersonals, starben während der Kriegsjahre. Die große Anzahl an Verstorbenen resultiert aus eingeschleppten Krankheiten wie Typhus, Fleckfieber und der Spanischen Grippe, aber auch an Erschöpfung, schlechte hygienische Zustände, Kälte und Nahrungsknappheit. Für die Todesopfer wurde 1914/1915 ein eigener Lagerfriedhof errichtet, in dem von 1915 bis 1918 die Umgekommenen bestattet wurden.
Oberrösterr. Kriegsgräberschutzbund „Schwarzes Kreuz“; Mitteilungsblatt, Linz a. Donau 1930, S. 12
Bildquelle: Archiv Tamara und Manfred Rachbauer
Es waren noch viele andere Baulichkeiten vorhanden: Baracken für Waschanlagen, Küchen, Speisesäle, für Kanzleien, Requisiten und auch Bereitschaften, weiteres für Werkstätten und Wäschereien. Zur Bewältigung des umfangreichen Postverkehrs - auch die Gefangenen hatten das Recht, per Feldpostkarten mit ihrer Heimat Kontakt zu halten und Post zu empfangen - wurde ein eigenes Postamt eingerichtet.
Der Alltag der Kriegsgefangenen war wesentlich von Arbeit im und für das Lager geprägt: in den Werkstätten des Lagers ebenso wie bei der Instandhaltung und beim Ausbau des Lagers, schließlich auch außerhalb des Lagergeländes in landwirtschaftlichen und gewerblichen Betrieben gleichsam als „Leiharbeiter".
Unter den Gefangenen befanden sich auch viele Intellektuelle, Künstler, Ärzte, Dichter, Schauspieler, Maler und eine ganze Reihe bekannter Musiker, die in den Internierungslagern, wie Aschach an der Donau, Mauthausen, Neusiedl am See oder Frauenkirchen, das Kulturleben in Form von Theater- und Gesanggruppen und Orchestern der Gefangenen organisiert haben.
Das Kriegsende brachte auch für sie die Freiheit, die Heimkehr. Die „Neue Warte am Inn“ vom 16. November 1918 berichtet dazu: "Aus dem hiesigen Kriegsgefangenenlager wurden am Samstag den 9. d. M. beiläufig 2500 italienische Kriegsgefangene in ihre Heimat abgeschoben. Der Abtransport erfolgte in aller Ruhe. Die aus Gefangenen gebildete Musikkapelle spielte Abschiedsweisen“.
[1] Ilić Marković, Gordana 2014: Der Große Krieg. Der Erste Weltkrieg im Spiegel der serbischen Literatur und
Presse, Promedia Verlag, Wien, 219.